Freitag, 5. September 2014

FridayBookFever "Maddie - Der Widerstand geht weiter" (Katie Kacvinsky)




Inhalt/Klappentext:
Die Freiheit ist zu kostbar, um sie aufzugeben.
Maddie hat genug vom digitalen Leben - viel zu viele sind schon davon infiziert. Gemeinsam mit Justin hilft sie Jugendlichen, die sich von der Digital School befreien wollen. Bei einer ihrer Aktionen wird Maddie jedoch geschnappt und in eine Jugendstrafanstalt gesteckt. Isolationshaft und Gehirnwäsche sind hier an der Tagesordnung und der Wille der meisten Insassen wird schnell gebrochen. Maddie weiß, dass sie standhaft bleiben muss, wenn sie das System besiegen will. Aber nach und nach zermürben die Haftbedingungen auch sie. Um die Zeit im Gefängnis zu überstehen, braucht sie dringend die Hilfe ihrer Freunde. Und einen Verbündeten unter den Aufsehern...
Der zweite Teil der futuristischen Jugendbuchreihe von Katy Kacvinsky, der im Boje-Verlag erschien.

Erster Satz:
"Ich habe über hundert Online-Profile."

Cover:
Das Cover ist ähnlich dem ersten Teil. Es zeigt scheinbar Maddie, die wie auch im ersten Teil schon verkabelt zu sein scheint. Die Farbe Blau ruft dabei mehr nach Freiheit, als es im ersten Teil der Fall war und zeigt auch schon ein wenig, die Willensstärke und den Drang nach Freiheit, der im zweiten Teil im Vordergrund des Geschehens stehen wird. Ein hübsches Cover, aber auch hier ist es nicht annähernd so künstlerisch und Freiheitsbetont, wie bei der englischen Vorlage.

Charaktere:
Die Charaktere bleiben im Großen und Ganzen dieselben, wie in Die Rebellion der Maddie Freeman, allerdings lernt der Leser nun auch die bis dahin nur selten erwähnten Nebencharaktere wie Clare, Pat oder auch Molly kennen. Bis dahin waren sie Randfiguren, die ab und zu einmal die Zweisamkeit von Justin und Maddie störten, doch in diesem Band, bekommen sie immer mehr eine zentrale Rolle im gesamten Geschehen. Im Mittelpart des Buches ist Maddie hauptsächlich auf sich alleine gestellt und die Zeit im Center bringt sie sichtbar an ihre Grenzen. In dieser Zeit erlebt man ein anderes Bild, einen neuen Charakterzug, an ihr. Sie versucht zum ersten Mal alleine zu kämpfen, versucht starkt zu sein und wächst dabei über sich selber hinaus. Mir gefällt diese Entwicklung gerade, weil sie im ersten Teil immer nur an Justin klebte, seinen Worten folgte, ohne tatsächlich darüber nachzudenken. In der Zeit im Gefängnis, hat sie zum ersten Mal die Zeit, nachzudenken, über ihre Entscheidungen und ihre Sicht auf die Dinge. Und plötzlich ist sie nicht mehr nur der Mitläufer, sondern entwickelt sich zu einer Rebellin und sogar zu einer Anführerin.
Einen neuen Charakter den ich noch nennen möchte ist Gabe. Er arbeitet im Center und wird auch zu einer zentralen Person. Er hilft Maddie nicht nur dabei, Kontakt zu ihren Freunden aufzunehmen, sondern stellt sich letztendlich gegen alles was er hatte und kämpft mit ihr Seite an Seite. Diese Stärke und Fröhlichkeit, die er sich in all der Zeit beibehalten hat, empfinde ich als unglaublich beeindruckend.

Meine Meinung:
Eine brillante Fortsetzung zum ersten Teil. Ich war ja immer der Meinung, die zweiten Teile in Trilogien, sind immer am uninteressantesten, weil sie die Brücke zwischen der Einführung und dem Start der Geschichte und dem großen, gigantischen Finale am Ende des dritten Teils sind. Das heißt, im Grunde haben sie kaum eine Bedeutung für die gesamte Story und sind nur Zeitschieber und Zwischensätze im Gesamtbild einer Rede (an dieser Stelle: liebe Grüße an meine Lehrerin im Deutsch-Leistungskurs, weil wir gerade das Thema Rhetorik behandeln).Allerdings wurde diese ganze Logik über den Haufen geworfen, zumindest bei dieser Trilogie. Die Zeit im Umerziehungscenter, wie die Jugendstrafanstalten genannt werden, finde ich überragend geschildert. Zum ersten Mal im Laufe der Bücher, ist die Protagonistin auf sich allein gestellt und denkt über ihr Verhalten, ihre Entscheidungen und über die Prioritäten nach, die sie in ihrem Leben gesetzt hat. Zum ersten Mal versteht sie, wofür sie eigentlich kämpft und was das nicht nur für sie, sondern auch alle andere Beteiligten bedeutet. Der Leser bekommt aber auch neue Details über die Politik im Land und über die Rebellion und ihre Anhänger. Katie Kacvinsky zeigt uns plötzlich auch die dunkle Seite der Technologie auf, die im ersten Band zwar angedeutet war, aber nie so brutal zugeschlagen hatte. Die Protagonistin begreift dabei immer mehr, dass nicht nur die Familie zählt, sondern wie viel auch Freunde bewirken können, wenn man sie braucht. Und das Liebe und Freundschaft manchmal einfach heißt, jemanden einen bestimmten Weg gehen zu lassen, auch wenn dieser aussichtslos erscheint. Justins Rolle empfinde ich in diesem Teil als sehr viel tiefgründiger als im vorherigen Band. Er ist auf einmal nicht mehr nur der heiße Rebellenanführer, sondern man Blickt hinter die coole Fassade und erfährt,  was ihn zu diesem rational denkenden Menschen gemacht hat. Wie seine eigene Vergangenheit ihn noch immer verfolgt und ihn angreifbar und verletzlich macht. Der Leser merkt aber auch, wie er immer mehr versucht sich auf Maddie einzulassen und ihr seine Welt immer weiter eröffnet.
Das Buch hat sehr emotionale Stellen, wo der Leser immer wieder spürt, was Familienbände ausmachen. So bleibt Maddie auch am Ende des Buches immer noch hin und her gerissen, zwischen ihrer Familie  und ihren Freunden. Fesselnd und ergreifend ist aber auch das Ende, indem einfach Verlust und Liebe Hand in Hand gehen und viele Charaktere zum verzweifeln gebracht werden. Diese Buchreihe fungiert sowohl als gesellschaftskritischer Roman und hinterfragt gleichzeitig die totale Abhängigkeit von der Technologie.

Mitreißend und gefühlvoll... Spannend und energiegeladen. Dieses Buch hat mich noch mehr in die Welt von Maddie und Justin schlittern lassen und  mir wieder einmal bewiesen, dass es immer noch großartige Bücherreihen, mit großartigen zweiten Teilen und noch großartigeren Geschichten gibt. Ich bin ein bekennender Maddie Freeman -Fan und hoffe, dass es in unserer Gesellschaft niemals so weit kommen wird, wie es in dieser futuristischen Welt der Digital School der Fall ist.  

Lieblingszitate:
"Jeder Widerstand hat seine Grenzen. Damit hatte er recht. Ein einzelner Mensch kann nicht endlos kämpfen. Er lässt sich ziemlich schnell in die Knie zwingen. Aber wenn mehrere Personen ihre Kräfte bündeln, sind sie wie eine Mauer, die aus Hoffnung gebaut ist. Und Hoffnung lässt sich nicht eindämmen."

"Anscheinend hatte ich dicher am Abgrund gestanden, als mir bewusste gewesen war. Ich hatte monatelang vermieden, darüber nachzudenken, und meine Freunde hatten mich dabei unterstützt. Sie hatten mir geholfen, nur Stärke, Mut und Liebe zu sehen. Bloß deshalb hatte ich durchgehalten. Ich hatte kein einziges Mal in die tödliche Tiefe geschaut, wo die Verzweiflung auf mich wartete, weil meine Freunde mich gezwungen hatten, den Blick nach oben zu richten."

Fazit:

Eine gekonnte Weiterführung. Ergreifend, stark, hinterfragend und begeisternd. Katie Kacvinsky hat ihren ersten Teil der Maddie Freeman - Reihe selber übertrumpft, indem sie Maddie - Der Widerstand geht weiter geschrieben hat.
Ich warte nun schon seit anderthalb Jahren sehnsüchtig auf den dritten und letzten Teil und hoffe, dass ich ihn bald in meinen Händen halten werde.
Danke, für dieses atemberaubende Buch und dieses großartige Finale, dieses zweiten Teils. 

Mehr als verdiente fünf Sterne.

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